Monatsarchiv: November 2009

Der globale Süden in der Weltwirtschaftskrise – was hat dies mit uns zu tun?

Darüber diskutierten angeregt die Interessierten der Veranstaltung.

Werner Rätz und Jutta Sundermann von attac-Deutschland verdeutlichten in ihren jeweiligen Kurzreferaten die Situation im Süden und stellten fest, dass die Verlierer der Krise immer mehr Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern des Südens sind und es ihnen das Nötigste zum Leben fehlt.

Wie die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) kürzlich mitteilte, ist die Zahl der hungernden Menschen in Folge der Krise auf 1,02 Milliarden gestiegen – den höchsten Wert seit 1970.

Damit steht die Realität im krassen Gegensatz zu den im Jahr 2000 formulierten Millenniums-Zielen, in denen die Vereinten Nationen ursprünglich angestrebt hatten, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren.

Im Diskussionsteil bestätigte ein Teilnehmer aus Neuwied an einem Beispiel die konkreten Auswirkungen der Krise für die eigene Kommune und für die MigrantInnen anhand von Fluchtbewegungen. So erklärte er, dass die Anzahl der im Asylbewohnerheim untergebrachten Menschen um 20% angestiegen und gleichzeitig die der Sozialarbeiter um das 6-fache gesunken sei (1 Sozialarbeiter pro 80 Asylanten).

Begründet wird dies durch Einnahmeverluste der Kommune. Diese sollen kompensiert werden, indem immer mehr ehrenamtliche Helfer einspringen (Stichpunkt: „save-me“ Kampagne). Genau so ging die Caritas vor, die ebenfalls versuchten, über das Engagement von Ehrenamtlichen die Verluste auf der Einnahmeseite aufzufangen. Ein anderer Teilnehmer zog Parallelen zur Tafelbewegung.

Großes Interesse und Problembewusstsein zeigte sich auch, als die Teilnehmer die anstehenden Großprojekte (BUGA, Zentralplatz, Schienenhaltepunkt Löhr-Center, TUS-Arena u.v.m.) dahingehend hinterfragten, ob diese langfristig überhaupt den Menschen perspektivisch nützen können. Wie die anstehenden Investitionen in Koblenz bei sinkenden Einnahmen und wachsenden sozialen Herausforderungen bewältigen, ohne dass es zu sozialen Verwerfungen kommt?

Wer wird letztendlich die Folgen der ruinösen Standortkonkurrenz bezahlen?

Dieser und anderen Fragen wird sich die attac-Gruppe weiterhin widmen und dazu das Sozialforum Koblenz am 17.11.2009, 19.30 Uhr in der Christuskirche besuchen, das sich ebenfalls mit diesen sehr aktuellen Problemstellungen beschäftigen wird.