Monatsarchiv: Januar 2013

Blut für Uran?

Der französische Staatspräsident Francois Hollande hat offiziell verkündet, dass die Truppen Frankreichs in Mali für die Erhaltung der Demokratie kämpfen. Frankreich hat nach Auffassung von Präsident Hollande keine eigenen Interessen in Mali. Die Grande Nation handelt selbstlos. Unser Bundesregierung möchte dieses humanitäre Projekt logistisch und politisch unterstützen.

Was ist von diesen Erklärungen zu halten? Handelt Frankreich wirklich selbstlos? Der Grund für diese Intervention ist alles andere als selbstlos. Frankreich bezieht 75 % seines Energiebedars aus Atomkraft. Diese Atomkraftwerke laufen mit Uran. Dieses Uran und auch das Uran für die franzöischen Atomwaffen stammt aus Niger und aus Mali!

Mali

Es ist also klar, warum Frankreich interveniert. Die zweite Frage ist, warum findet in Mali eine Rebellion statt? Nach der Darstellung Frankreichs hat man den Eindruck, die Taliban sind aus Afghanistan gekommen und haben den Norden von Mali besetzt. Das ist antürlich nicht der Fall. Die einheimische Bevölkerung und insbesondere die Tuareg rebellieren gegen die Zentralregierung. Sie lehnen sich deshalb gegen die Zentralregierung auf, weil sie seit 1960 (dem Jahr der Unabhängigkeit von Frankreich) systematisch vernachlässigt worden sind. Der Staat Mali gibt einen Großteil seines Budgets für seine Armee und die Elite in der Hauptstadt Bamako aus. Die breite Masse der Bevölkerung darbt. Kein Wunder, dass es zu einem Aufstand kommt. Ein solcher Aufstand ist nicht militärisch zu bekämpfen. Die Bodenschätze in Mali müssen in die Hände der einheimischen Bevölkerung gegeben werden und dürfen nicht in französischen Händen bleiben. Die Ressourcen des Landes müssen zum Aufbau einer sinnvollen Infrastuktur genutzt werden, die einen wirtschaftlichen Aufstieg einer breiten Masse der Bevölkerung möglich macht.

Auch wenn Mali seit 1960 formal unabhängig ist, so ist es doch noch heute wirtschaftlich eine Kolonie Frankreichs. Nur wenn dieser Zustand beendet wird, haben die Islamisten in Mali kein Fundament mehr. Es darf kein Blut für Uran fliessen!

Ingo Neumann, Plaidt für Attac Koblenz